
Permakultur
in Bahia Brasilien
Perma Kultur -Systeme Gestalten
Ein
vollständiger
Gestaltungsprozess umfasst einen sich permanent wiederholenden
Kreislauf aus
Planung, Errichtung und Erhaltung der Gestaltung mit dem Ziel einer
sukzessiven
Optimierung. Genutzt werden dabei die Beobachtungen und Reflexionen aus
dem
Action-Learning-Prozess. Die folgende Auflistung enthält eine
(unvollständige)
Auswahl an Planungshilfen, Gestaltungsprinzipien und Überlegungen
zur Erhaltung
einer Gestaltung.
Planungshilfen
* Planung nach
Zustandsunterschieden: Beobachtung
und Analyse eines Ortes nach gegensätzlichen qualitativen
Merkmalen (warm –
kalt, feucht – trocken, ruhig – belebt, sonnig – schattig, …) mit dem
Ziel, die
gegebenen Bedingungen besser beurteilen und in die Planung einbeziehen
zu
können. In den gemäßigten Klimaten ist dieses
Planungsinstrument nur
vollständig, wenn sich die Analyse über alle Jahreszeiten
erstreckt.
* Planning for Real: Der gesamte
Gestaltungsprozess wird von Beginn für alle Betroffenen, bzw.
Interessierten
geöffnet. Es können alle erdenklichen Datenerhebungsmethoden
zum Einsatz kommen
(Interview, Open Space, Papiercomputer, Rollenspiele, …).
* Data Overlay:
Übereinanderlegen mehrerer
transparenter Folien, die jeweils besondere, für sich variable
Planungselemente
enthalten (Wasserkreislauf, Anbauflächen, Wohnraum, Spiel- und
Erholungsareale,
…), um sich vor der Umsetzung einen optischen Gesamteindruck von der
späteren
Umsetzung machen zu können.
* Flussdiagramme: Graphische
Verdeutlichung
von Ressourcenflüssen (Energien, Stoffe, Informationen), um
systemimmanente
Dynamiken (Rückkopplungen, etc.) zu verstehen.
* Zonierung und Sektorierung:
Gestaltung
durch eine Verknüpfung von räumlich und zeitlich gegebenen
Einflüssen
(Sektoren) und selbst gestaltbaren Elementen (Zonen).
Gestaltungsprinzipien nach den Grundsaetzen der
Permakultur
Permakultur
orientiert sich vorwiegend an Erkenntnissen aus ökologischen und
sozialen
Systemen. Die Beobachtung und Reflexion systemischer Abläufe soll
im Sinne des
Systemdenkens zu einem ganzheitlichen Verständnis führen. Um
dieses Verständnis
auf jedes Permakultur-Konzept anwenden zu können, wurden frei
kombinierbare
Prinzipien entwickelt.
Gestaltungsprinzipien nach Mollison
Aus der
Beobachtung von Ökosystemen leitete Bill Mollison folgende
Gestaltungsgrundsätze ab:

Erweiterte Gestaltungsprinzipien nach Holmgren
In
seinem 2002
erschienenen Buch Permaculture. Principles and Pathways Beyond
Sustainability
geht David Holmgren insbesondere auf die kommenden Herausforderungen in
Bezug
auf die Energiesicherheit künftiger Generationen ein. Rund 25
Jahre nach Bill
Mollisons Permaculture One sieht er in der Anwendung von Permakultur
ein
hilfreiches Instrumentarium für einen sanften und gleichzeitig
produktiven
Übergang von einer destruktiven High-Energy-Industriegesellschaft
hin zu einer
nachhaltigen und lebensfreundlichen Low-Energy-Kultur. Eine deutsche
Übersetzung seines Buches ist in Arbeit.
Den folgenden Gestaltungsprinzipien widmet er
jeweils ein ganzes Kapitel:

Erhaltung
Die
Erhaltung eines
permakulturell gestalteten Systems zielt auf eine Optimierung im Sinne
einer
langfristigen Produktivität. Die Erweiterungen, bzw.
Verfeinerungen der
implementierten Gestaltungslösungen erfolgt durch kontinuierliche
Beobachtung
und Evaluation. Ziel ist eine bestmögliche Selbstregulation durch
* geringe und behutsame Eingriffe
* vorrangigen Einsatz von
Low-Energy und
Low-Cost-Techniken
Beispiele angewandter Permakultur
Die
oben
beschriebenen Prinzipien treten in der praktischen Anwendung nicht als
getrennte Phänomene auf, sondern sind auf vielfältige Art
miteinander
verknüpft. So bilden zum Beispiel die durch Zonierung optimierten
Randzonen
selbstorganisierende Muster aus, die wiederum mit anderen Elementen des
Systems
in nutzbringende Interaktion treten können. Im Folgenden sollen
hier einige
Designprinzipien erläutert werden, um die damit verbundenen Ideen
zu
verdeutlichen.
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Zonierung
Eine
der oben
beschriebenen Möglichkeiten, mit Permakultur zu planen, ist die
Zonierung. Sie
dient unter anderem der Energieeffizienz, zum Beispiel der Optimierung
von
zurückzulegenden Wegen. Für eine
Selbstversorger-Landwirtschaft könnte eine
Zonierung zum Beispiel so aussehen:
Zone
0 -
Gilt als Wohn-Zone/Kernbereich, aber
auch als Beschreibung des Nutzers eines permakulturellen Systems.
Zone
I
- Unmittelbare
Nähe von Wohnbereichen. Hier werden Pflanzen angebaut, die
täglich genutzt und
intensiv gepflegt werden, Kräuter oder Feingemüse.
Zone
II - Gemüsegarten
mit weniger intensiver Pflege und Nutzung, wie zum Beispiel Salate,
Kohl- oder
Wurzelgemüse.
Zone
III -Landwirtschaftliche
Zone mit Getreide, Kartoffeln und all denjenigen Anbauprodukten, die
weniger
Pflege brauchen und jeweils in großen Mengen gleichzeitig
geerntet werden.
Zone
IV -Wiesen,
Obstbäume, Nussbäume. Diese Zone benötigt kaum Pflege.
Die Ernte beschränkt
sich auf einen bestimmten Zeitpunkt im Jahr.
Zone
V -Wildnis
/ Urwald als Ruhezone für die Natur. Idealerweise finden hier
keine Eingriffe
des Menschen mehr statt.
Dieses
Zonensystem ist als Hilfsmittel anzusehen. Es handelt sich hierbei
nicht um
harte Grenzen. Auch die Zonierung als solche ist den Erfordernissen
eines
Systems frei anpassbar und folgt keinem starren Konzept.
Üblicherweise werden
jedoch, wie oben dargestellt fünf Zonen verwendet, oft erweitert
durch eine
sogenannte Zone 0. Sie ist eher philosophischer Natur und
ermöglicht es dem
Betrachter einer solchen Zonierung sich selbst zum Objekt seiner
Betrachtungen
zu machen.
Beispiele
für Permakultur-Systeme
Aquakultur
In
einem
Fischteich zum Beispiel wird nicht nur eine Fischart aufgezogen,
sondern
mehrere Fischarten. Der Teich weist Zonen unterschiedlicher Tiefe und
auch
unterschiedlicher Bepflanzung auf. Die Raubfische werden nicht
gefüttert,
sondern ernähren sich von anderen Fischen. Diese finden aber
für sich genügend
günstige Nischen vor, sodass sie nicht aussterben. Das System
reguliert sich
als Ganzes weitgehend selbst. Der Mensch fischt
„überschüssige“ Fische ab.
Gleichzeitig
können essbare Pflanzen an dem Teichrand angebaut werden. Weitere
(und zum Teil
dieselben) Pflanzen können ihrerseits den Pflegeaufwand des
Teiches verringern
(Reinigungspflanzen). Die Erhöhung der ökologischen Vielfalt
sorgt für ein
dynamisches Gleichgewicht, erhöht die Flexibilität und
sichert kontinuierliche
Erträge.
Waldgarten
Selbstversorgung
auf kleinem Raum: Nutzung mehrerer Schichten in einem Waldgarten
Aufbau
und Pflege
von Waldgärten (engl.: forest garden) in Europa basieren auf einem
Konzept des
Engländers Robert Hart. Im indischen Bundesstaat Kerala gibt es
bereits eine
jahrhundertealte Tradition, ebenso bei den Chagga am Kilimandscharo
(insbesondere vor der Zeit des ausgeprägten Kolonialismus). Dabei
werden
naturnahe Waldwirtschaft und umfangreiche Nahrungsproduktion
miteinander
kombiniert.
Ein
gesundes
Ökosystem Mischwald besteht aus sich permanent regenerierenden
Bäumen,
Sträuchern, Büschen, Kräutern, Bodendeckern und
Rankepflanzen. Diese Vielfalt
an Vegetationsschichten unterschiedlicher Höhe gewährleistet
eine optimale Lichtausbeute
und stellt zahlreiche Nischen für eine Vielfalt dort lebender
Tierarten bereit;
hohe kontinuierliche Produktivität auf relativ kleinem Raum. Diese
Beobachtung
und die praktischen Erfahrungen aus Indien waren ausschlaggebend
für die
Entwicklung eines Waldgartenkonzeptes für das gemäßigte
Klima in Mitteleuropa.
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